ELTERNGELD/ELTERNZEIT
Kritische Familien
19.07.2008 


Die Familienpolitik der Bundesregierung erreicht nach einer Umfrage unter Führungskräften längst nicht alle Arbeitnehmer in Deutschland. Die neu geschaffenen Möglichkeiten von Elternzeit und Elterngeld hätten die Lage für manche Familien sogar verschlechtert.

 

Köln- Nach einer Befragung des Deutschen Führungskräfteverbandes unter seinen Mitgliedern haben Elternzeit und Elterngeld die Lebensumstände nur weniger Familien in Deutschland verbessert. Manche stünden sogar schlechter da als zuvor. Das antworteten 60 Prozent der rund 1000 befragten Teilnehmer, berichtet das Wirtschaftsmagazin "Capital". Zugleich zeigt eine neue Studie, dass Kinder im Leben nicht unbedingt erfolgreicher sind, wenn ihre Eltern nach der Geburt länger zu Hause bleiben, wie der "Spiegel" berichtet. 

 
Neue Familienförderung: Nicht alle profitieren 
 
Laut "Capital" glauben nur 6 Prozent der befragten Führungskräfte, dass es in ihrem Unternehmen neuerdings deutlich einfacher ist, Elternzeit zu nehmen. Eine leichte Besserung sehen 34 Prozent. Die Gründe für die Zurückhaltung seien vielfältig, sagte Andreas Zimmermann vom Führungskräfteverband dem Magazin.

 

"73 Prozent der Arbeitnehmer in gehobenen Positionen geben an, dass eine geeignete Vertretung fehlt und 59 Prozent fürchten Karriere-Nachteile." Daneben würden mangelnde Akzeptanz beim Arbeitgeber und finanzielle Einbußen als wichtige Hindernisse angesehen. Dennoch hielten es 90 Prozent der Führungskräfte für wünschenswert, befristet aus dem Beruf auszusteigen, um sich ganz dem Nachwuchs zu widmen.


Die in der Vergangenheit mehrfach verlängerte Elternzeit hat dem Nachwuchs fast nichts gebracht, meldet "Der Spiegel" unter Berufung auf eine neue Studie der Wirtschaftswissenschaftler Christian Dustmann und Uta Schönberg vom University College London. Die länger von einem Elternteil betreuten Kinder schnitten demnach in der Schule und später im Beruf nicht nennenswert besser ab.

Die Forscher hatten sich für ihre Studie die Auswirkungen dreier deutscher Reformen angesehen: 1979 wurde die Zeit, die berufstätige Eltern nach der Geburt bei ihren Kindern verbringen dürfen, von zwei auf sechs Monate verlängert (bezahlt), 1986 von sechs auf zehn Monate (bezahlt), und 1992 schließlich von 18 auf 36 Monate (unbezahlt). 
 
Die Forscher verglichen jeweils die Lebenswege der Kinder, die kurz vor der Verlängerung zur Welt kamen, mit jenen, die kurz nachher folgten. Ergebnis: Weder in der Schullaufbahn noch im Lohnniveau übertrafen die ersten Profiteure der verlängerten Elternzeit nennenswert ihre unmittelbaren Vorgänger. Die Reformen führten also bestenfalls zu winzigen Fortschritten, folgerten die Autoren der Studie. So gesehen spreche "wenig dafür, in Deutschland eine weitere Ausdehnung der Elternzeit anzustreben", sagte Dustmann.

 

Seit Anfang 2007 wird in Deutschland das Elterngeld als Lohnersatz für Mütter und Väter gezahlt, die nach Geburt eines Kindes die Berufstätigkeit unterbrechen oder auf höchstens 30 Stunden in der Woche reduzieren. Gezahlt werden 67 Prozent des letzten Nettogehalts, höchstens aber 1800 und mindestens 300 Euro im Monat. Die staatliche Leistung wird maximal 14 Monate gezahlt. Beim Arbeitgeber besteht ein Anspruch auf unbezahlte Freistellung zur Betreuung des Kindes (Elternzeit) bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres.

 

manager-magazin.de mit Material von dpa

 

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