Stuttgarter Zeitung, 6 June 2002

WIRTSCHAFT

Verbraucherschützer kritisieren die Bahn

 

BERLIN (wüp). Verbraucher- und Fahrgastverbände halten den Verbraucherschutz in öffentlichen Verkehrsmitteln für unzureichend. Die Rechte der Kunden seien auf Vorkriegsniveau stehen geblieben, während die Züge mit Tempo 300 durch die Gegend rasen, kritisierte Edda Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, in Berlin. Neue Anbieter und die europäische Marktöffnung verschärften die Probleme. Konkret verlangen die Verbraucherschützer bessere Regelungen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen für die Entschädigung von Fahrgästen zum Beispiel bei Verspätungen. Außerdem seien transparente Tarife nötig, aussagekräftige Fahrscheine und eine Auskunft, die alle Anbieter gleichberechtigt aufführe.

Der Fahrgastverband Pro Bahn verweist als Vorbild für die Regelung von Streitfragen auf Großbritannien. Dort sorge ein "Rail Passenger Council" für die Durchsetzung von Kundenrechten und vermittle zwischen den Fahrgästen und den dortigen 25 Bahnfirmen. In Deutschland dagegen seien die Verbraucher auf freiwillige Vereinbarungen der Unternehmen angewiesen. Der gesetzliche Rahmen stamme noch aus der Zeit der Staatsbahn und müsse dringend den geänderten Verhältnissen angepasst werden, sagte Hartmut Buyken, Vizechef des Verbands.

 

 

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