Frankfurter Rundschau online, 31 January 2002

London bleibt Nummer eins Finanzplatz Frankfurt nur Pforte zum deutschen Markt

Von Detlev Fechtner

 

Im Urteil von Entscheidungsträgern aus Großbanken, Wirtschaftskanzleien und Werbeagenturen kann der Finanzplatz Frankfurt der Londoner City nicht das Wasser reichen. So jedenfalls lautet das Ergebnis einer gemeinsamen Studie der Universitäten Heidelberg und Loughborough.

FRANKFURT. Wenn in den Chefetagen von den weltweit wichtigsten Finanzzentren die Rede ist, dann wird London in einem Atemzug mit New York genannt. Die herausragende Position in Europa "gründet sich ganz entscheidend auf den verfügbaren Wissenspool und die institutionelle Dichte in der City", erläutern die Leiter des wirtschaftsgeographischen Forschungsprojekts, Michael Hoyler und Kathryn Paine. Da in London nicht nur die Banken und Broker residieren, sondern auch die Regierung und die Verbände, laufen an der Themse alle Fäden zusammen - anders als in Deutschland.

Zudem sei die britische Hauptstadt stärker in weltweite Netzwerke eingebunden. Frankfurt attestieren die Manager hingegen eine "eher europäische Ausrichtung" und die Rolle als Pforte für den deutschen Markt.

Nicht einmal die Einführung des Euro bringe die Rangordnung ins Wanken, meinen die Forscher unter Berufung auf die Interviews mit Vorständen und Geschäftsführern. Der Sitz der Europäischen Zentralbank am Main sei gut fürs Image Frankfurts, habe aber "für die überwiegende Zahl der Unternehmen kaum praktische Relevanz". Die Stellung Londons werde durch das bisherige Festhalten der Briten am Pfund "nicht gefährdet".

Gleichzeitig warnen die Wissenschaftler davor, den Wettbewerb der Finanzplätze als Nullsummenspiel zu begreifen. "Die Stärkung eines Standortes muss nicht zwangsweise auf Kosten des anderen erfolgen", betont Hoyler.

Grenzübergreifende Schulterschlüsse etwa großer Anwaltskanzleien können nach Einschätzung der Studie durchaus die Heimatbasis stärken: "Das Forschungsprojekt zeigt, dass sich das häufig als Rivalität charakterisierte Verhältnis zwischen Frankfurt und London nicht auf den Aspekt des Wettbewerbs reduzieren lässt."

 

 

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