Die Bank, Zeitschrift für Bankpolitik und Bankpraxis, Number 4, April 2002

Thema des Monats

Internationale Finanzplätze: Rivalen oder Partner

Von Dr. Dirk Franke

 

Welche Zukunft hat der Finanzplatz Frankfurt? Wird seine Bedeutung inmitten der Dynamik des globalen Geld- und Kapitalverkehrs zurückgehen? Immer wieder entzündet sich in Deutschland eine aufgeregte Debatte über diese Fragen. Pessimisten sehen die Mainmetropole durch eine Übermacht Londons und New Yorks an den Rand gedrängt. Doch einiges spricht dafür, dass der Wettbewerb zwischen den Finanzzentren kein Null-Summen-Spiel ist, sondern ein Prozess, aus dem zumindest London und Frankfurt gestärkt hervorgehen können.

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London: Aufschwung durch Deregulierung

New York und London bleiben die wichtigsten Finanzzentren der Welt. In London wird fast ein Drittel des globalen Devisenhandels abgewickelt, und der Börsenhandel an der Themse erreicht etwa das Dreifache des Geschäfts in Frankfurt. Ein entscheidender Impuls für London ging gegen Ende der achtziger Jahre von der Deregulierung des britischen Finanzmarktes, dem »Big Bang«, aus. Seitdem hat sich die »City« dem internationalen Wettbewerb geöffnet. Die Folge: Ausländische Banken konnten mit einheimischen Häusern konkurrieren, was z. B. dazu führte, dass sämtliche britische Investmentbanken von japanischen, kontinentaleuropäischen und amerikanischen Häusern übernommen wurden.

Wie bedeutend London für das internationale Investment Banking ist, zeigt die Tatsache, dass auch die Deutsche Bank die Verantwortung für das Investmentgeschäft nach London – und nach New York – verlegt hat. Für besondere Nervosität hat in Frankfurt gerade in jüngster Zeit die – umgehend dementierte – Spekulation gesorgt, das größte deutsche Geldinstitut könne möglicherweise auch seine Zentrale in die britische Hauptstadt verlagern.

Doch wie entscheidend ist die Frage, wie viele und welche Unternehmen ihre Zentrale an einem bestimmten Standort ansiedeln, wirklich für die Bedeutung dieses Finanzplatzes? Eine Studie der britischen Loughborough University weist darauf hin, dass gar nicht viele britische Banken ihren Hauptsitz in London haben. Die britische Hauptstadt sei zwar die Stadt der internationalen Finanzaktivitäten, aber keineswegs die Stadt der Bankzentralen. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass es für die Zukunft der internationalen Finanzplätze von größerer Bedeutung ist, welche Netzwerke an einem Standort bestehen.

In der Qualität dieser Netzwerke drückt sich aus, wie schnell und verlässlich Informationen fließen, wie gut der Austausch zwischen Unternehmen und kulturellen oder gesellschaftlichen Institutionen funktioniert und schließlich, wie effizient die Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaft und Regierungsinstitutionen ist. Dabei sind London und Frankfurt teils in ähnlichen, teils aber auch in sehr unterschiedlichen Verbindungsnetzen erfolgreich. Auf einen Nenner gebracht, zeigt sich, dass diese Netzwerke in London am besten funktionieren. Peter Taylor, einer der Autoren der britischen Studie, spricht von der »Wimbledonisierung« Londons, dort werde »das wichtigste Turnier der Finanzwirtschaft« ausgetragen. An zweiter Stelle steht New York und – als beste deutsche Stadt – Frankfurt auf Platz sieben.

 

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